Wasser

Pader-Picture-Rallye

In diesem Jahr werden zum zweiten Mal nach 2010 die Paderborner Fototage ausgerichtet. Rund um die Fotografie gibt es hier Workshops, Ausstellungen, Fotowalks und andere interessante Themen.

Vor einigen Tagen erreichte mich über Flickr eine Einladung zur Pader-Picture-Rallye. Ein Mitglied des ansässigen Fotoclubs “Blende 78″ hatte offenbar die Flickr-Gruppe “Paderborn” durchstöbert und war dort auf ein paar meiner Fotos gestoßen. Zum Glück! Andernfalls hätte ich von der Veranstaltung wohl erst nach der Durchführung erfahren.

Bei der Pader-Picture-Rallye sollte jeder Teilnehmer unter einem Motto insgesamt 10 Aufgaben zur fotografischen Umsetzung bekommen, die in exakter Reihenfolge abzulichten wäre. Am Ende des Tages dürften sich dann nur genau 10 unbearbeitete Fotos im JPEG-Format auf der Speicherkarte befinden.

Super! Nach dem Motivklingel Workshop hatte ich mir ja vorgenommen, die tollen Tips in die Praxis umzusetzen. Wegen Fußball EM, diversen Grillfeten und anderer nichtiger Gründe hatte ich das aber erstmal auf Irgendwann verschoben. Aber gab es jetzt endlich die Gelegenheit, mal wieder den Hintern hochzubekommen.

So ging ich also gemeinsam mit Dario am Samstag, den 7.7. um 11:30 Uhr zur Michaelschule, wo die Picture-Rallye starten sollte. Wir bekamen dort unsere Startnummern 14 (Dario) und 15 (ich) zugeteilt und jeder Teilnehmer erhielt eine kleine Karte mit dem Motto “Paderborn, moderne Stadt mit Geschichte” und 5 Aufgaben:

  1. Persönliche Startnummer
  2. farbenfroh
  3. Wasser
  4. Technik
  5. sportlich

Wie schon in der Ausschreibung beschrieben, sollten zuerst 5 Aufgaben fotografiert werden, bei einer Zwischenstation gäbe es dann zwischen 14:30 Uhr und 15:30 Uhr die restlichen Aufgaben.

Hier nun meine Interpretation der einzelnen Aufgaben:

Ok, “Moderne Stadt mit Geschichte” ist nicht ganz so einfach. Paderborn hat zwar eine lange kirchliche Geschichte, liegt an Europas kürzestem Fluss und am alten Hellweg. Leider wurde Paderborn aber im 2. Weltkrieg weitestgehend zerstört. Historische Gebäude sind also nicht an jeder Ecke zu finden. Als erstes fielen mir natürlich Dom, Domplatz, Rathaus und das Paderquellgebiet ein. Und so bewegten wir uns hauptsächlich in diesem Bereich.

Persönliche Startnummer

Ok, ich hatte die 15 erwischt. Erste Idee:

“Heute ist Wochenmarkt auf dem Domplatz. Da frag ich doch mal einen Obstverkäufer, ob ich nicht eine Pyramide aus Äpfeln bauen darf. Die Summe der sichtbaren Äpfel sollte dann 15 (5+4+3+2+1) sein. Im Hintergrund: der Dom.”

Der Aufwand erschien mir ein bisschen zu hoch und auch die Kooperationswilligkeit der Obstverkäufer hielt ich nicht für ausreichend. Also liefen Dario und ich erstmal ziellos durch die Innenstadt und suchten unsere Zahl in arabischer oder römischer Schreibweise. An einem Juwelierladen wurde ich dann fündig.

“Super, Hausnummer 15 und eine große spiegelnde Fensterfläche, in der man das Theodorianum (ältestes Gymnasium in Paderborn) sehen kann”.

Auf den Testbildern sah das Ergebnis allerdings total unspektakulär aus. Also gingen wir weiter. Am Dom fing ich dann an, die Fenster im Turm zu zählen. Los ging es ganz oben in der 1. Reihe mit einem Fenster, darunter dann 2, 3, 4. Super, 10 Fenster. Die übrigen Fenster musste ich nun nur noch geschickt ins Bild nehmen bzw. verdecken und es entstand folgendes Foto:

Farbenfroh

Äh, hatte ich schon erwähnt, dass ich bei der Picture-Rallye ausschließlich in Schwarz/Weiß fotografieren wollte? Nein? War so. Dies war also die Herausforderung schlechthin.

“Ok, hier muss der Betrachter ein bisschen mitspielen. Wenn ich etwas fotografiere, das in der Realität farbig ist, dann muss der Betrachter sich die Farben halt dazudenken.”

Bei den zahlreichen Obst- und Blumenständen auf dem Wochenmarkt sollte das Finden eines passenden Motivs ja kein Problem sein. Am besten was Historisches in den Hintergrund setzen und fertig. Also sprach ich einen Obsthändler an, ob ich sein Gemüse ablichten dürfte. “Klar, Hauptsache ich bin nicht im Bild” erwiderte der nette ältere Herr.

Nachdem ich mich morgens noch mit Sonnenschutzfaktor 30 gegen das gute Wetter eingeschmiert hatte, fing es nun an, wie aus Eimern zu regnen. Dario und ich suchten Unterschlupf im gerade neu eröffneten Roadhouse. Dort erholten wir uns von dem Schreck. Und wo wir schon mal da waren, machten wir gleich eine Mittagspause. Leckere Sachen haben die da übrigens.

Wasser

Frisch gestärkt ging es an die Wasser-Aufgabe. Der Regen hatte sich erstmal wieder verabschiedet.

“Ok, Wasser haben wir in der Stadt ja genug. Den Neptun-Brunnen direkt am Domplatz und das Paderquellgebiet direkt hinter dem Dom. Aber: Wie wäre es denn mit einem Wasserglas, in dem der Neptun-Brunnen zu sehen ist? Hmm, da gibt es ein Cafe gegenüber”

Ich schaute mich um, aber aufgrund des Regens waren die Gäste noch nicht wieder gewillt, draußen zu sitzen. Ein ungünstig abgestellter Mercedes-Transporter eines Markthändlers versperrte zudem die freie Sicht. Also war doch etwas Naheliegenderes angesagt. Wir gingen ins Paderquellgebiet.

Dies war der erste Versuch. Mir gefielen die Regentropfen im Wasser und die Tauben-Enten-Relation im Bild ganz gut. Jaja, Regentropfen gab es auch wieder. Der nächste Schauer trieb Dario und mich unter den nächsten Baum. Mein Sonnenschutzfaktor wusch sich so langsam von der Haut, als ich gerade mit Dario darüber diskutierte, ob wir tatsächlich bis zum Ende der Veranstaltung durchhalten würden.

Nach dem kurzen Schauer gingen wir weiter. Am Wegesrand fielen mir die Waschfrauen aus Metall auf und ich machte folgendes Bild.

Technik

Boah, noch so ein Thema. Technik in Verbindung mit Paderborn. Ob historisch oder modern. Mir fiel dazu zunächst überhaupt nichts ein. Dann hatte ich folgende Idee:

“Dom mit einer Kamera ablichten, dann das Display der Kamera abfotografieren.”

Klang total einfach, war es aber nicht. Ich hatte neben der Leica noch meine Olympus dabei. Ich schoss also ein Foto mit der Olympus und brachte das Bild auf’s Display. Cool! Jetzt nur noch abfotografieren. Nach 10 Minuten gab ich auf. Ich hatte zwar 4 Objektive für die Leica dabei, keines davon war aber makrofähig. Bei einer Naheinstellgrenze von 0,7 bzw. 1,0 Metern hatte ich einfach keine Chance, das Display auch nur annähernd bildfüllend abzulichten. Auch die Idee, das Display-Foto nur als Teil eines Fotos des Doms aufzunehmen, scheiterte kläglich am Helligkeitsunterschied von Display und Realität. Schade!

Kurzerhand stellte ich Dario mit seiner Kamera vor den Neptun-Brunnen und machte folgendes, völlig unspektakuläres Foto.

“Hauptsache, ein Foto gemacht”.

Sportlich

Aufgrund der Regenschauer ging ich nicht davon aus, im Stadtgebiet auch nur einen einzigen Jogger, Skateboard-Fahrer oder Typen mit Inlinern zu finden. Blieben also Radfahrer oder vielleicht ein Sportwagen auf irgendeinem Parkplatz? Wir gingen zum Rathaus und fanden dort zu unserer Verwunderung ein paar Pferde mit Reitern aus den Schützenvereinen. Stimmt, es war ja Schützenfest! Und gleich sollte die Parade vor dem Rathaus stattfinden.

“Hmm, Schützenfest. Trinksport ist ja auch Sport… Ok, die Pferde geben vielleicht auch ein Motiv ab.”

Beim Ablichten der Pferde stolperte ich dann beinahe über den Bürgermeister. Die Ergebnisse gefielen mir überhaupt nicht und so suchte ich nach einer Alternative.

“Ein Fahrradreifen angeschnitten im Bild, im Hintergrund das Rathaus”

Die geparkten Fahrräder standen leider recht ungünstig und so langsam wurde ich nervös. Die Zeit verging viel zu schnell und wir mussten uns ranhalten. Links vom Rathaus sprach ich dann einfach eine Mutter mit Tochter an, ob ich das Rad der Tochter mal eben für ein Fotoprojekt ausleihen dürfte. Freundlich und bereitwillig postierte das Mädchen ihr Fahrrad, so dass ich folgende Foto machen konnte.

Zwischenstation

Zur Halbzeit mussten alle Teilnehmer in die Städtische Galerie, um dort die nächsten 5 Aufgaben zu erhalten. Wir gingen also am Rathaus vorbei zur Stadtverwaltung. Am Rathaus fiel mir ein Fotograf mit Riesen-Objektiv auf, der gerade die Reflektion eines Schaufensters fotografierte. Das nächste Thema sollte daher für mich keine große Überraschung mehr sein:

  1. Spiegelung
  2. natürlich
  3. Durchblick
  4. Licht und Schatten
  5. in Bewegung

Spiegelung

Bei diesem Thema hatte ich einen kleinen Vorteil. Vor 2 Jahren war ich mal gezielt mit diesem Thema durch die Innenstadt gelaufen, um Reflektionen des Doms zu fotografieren. Dario hatte ebenfalls eine tolle Spiegelung entdeckt, die ich zwar ebenfalls ablichtete, sie am Ende aber ihm für die Abgabe seiner Bilder überließ:

Ich erinnerte mich an die Reflektion des Doms in einem Stahltor an der Michaelschule und wählte dieses Motiv

Natürlich

Zu diesem Thema gingen wir an der Stadtbibliothek vorbei, um rund um die Pader nach einem geeigneten Motiv zu suchen. Ich entschied mich für einen Seitenarm der Pader und probierte, eine Belichtung des Flusslaufs zu machen. Mir fiel ein kleines Blatt auf, dass unter den großen Blättern eines Baumes im Fluss lag.

Eine Regenpause “zwang uns” gewissermaßen, Unterschlupf im Brauhaus zu suchen und bei einem Bierchen auf bessere Zeiten zu warten.

Durchblick

Da wir mit unserer Zeit haushalten mussten – ich hatte abends noch einen anderen privaten Termin – musste es nun schnell gehen. Ich überlegte mir, eines der Paderborner Wahrzeichen oder etwas anderes Bekanntes durch einen Zaun oder etwas ähnliches zu fotografieren. Auf unserem Weg durch das Paderquellgebiet machte ich als Schnappschuss das folgende Bild, das ich später auch zu diesem Thema einreichte:

Alternativ wäre auch das folgende Foto möglich gewesen, aber ich fand es eher langweilig und zu konventionell.

Licht und Schatten

Super. Den ganzen Tag über hatten wir nun wechselhaftes Wetter gehabt. Ausgerechnet als ich diese Aufgabe machen sollte, war der Himmel grau und schien es für die nächste halbe Stunde zu bleiben. Ich musste mir also ein “schattiges Plätzchen” suchen, das mir ohne Sonne erlaubte, einen Licht/Schatten-Kontrast darzustellen. In Domnähe fiel mein Blick auf den Eingang des Doms und es entstand folgendes Bild:

In Bewegung

Endspurt. Ein Bild noch. Dario und ich waren uns schnell einig, dass eine Aufnahme mit langer Belichtungszeit gut wäre, auf der gehende Menschen nur schemenhaft zu erkennen sind. Problem: kein Stativ dabei.

Ich setzte mich also gegenüber des Rathauses auf den Boden, schraubte den Graufilter auf das Objektiv, machte mich schussbereit und wartete ab. Nichts passierte. Alle Leute machten um den Bereich vor mir einen großen Bogen. Weiter warten. Ah, da kommt jemand. Gerade als ich ein “Opfer” ausgemacht hatte, das in der richtigen Richtung durch’s Bild laufen wollte, fuhr ein Bus im Hintergrund vorbei. Das Ergebnis sah nicht schlecht aus, aber dummerweise war das Rathaus komplett verdeckt. Also weiter warten. Nach weiteren 2 Minuten schickte ich dann einen willigen Statisten (Dario) los, der mir dann mehrfach durch’s Bild lief. Hier das Ergebnis.

Abgabe

Mit 10 Kandidatenfotos “im Kasten” fuhren wir schnell nach Hause um die Daten auf dem PC zu sichern. Ich hatte vorher geklärt, dass es erlaubt war, neben den abzugebenden JPEGs auch RAW-Bilder zu machen und diese vor Abgabe der Bilder zu sichern. Alle übrigen Bilder von der Kamera gelöscht fuhren wir schnell zur Kulturwerkstatt. Dort erwartete uns das Organisationsteam von Blende 78, um die Fotos per Kartenleser zu überspielen.

Fazit

Nachdem nun alle Fotografen ihre Bilder eingereicht haben, setzt sich nun die Jury zusammen, um die schönste Fotoserie zu krönen. Für mich persönlich ist das Ergebnis dabei eigentlich nicht so wichtig. Ich hatte sehr viel Spaß und hoffe, dass Blende 78 in Zukunft auch außerhalb der Fototage weitere Foto-Rallies veranstalten wird. Großes Interesse habe ich natürlich an den Ergebnissen der anderen Fotografen. Hier kann ich nachvollziehen, welche Gedanken in anderen Köpfen umherschwirren und daraus etwas lernen. Mit Dario habe ich schon vereinbart, dass wir zukünftig öfters mal eine “halbe Fotorallye” durchführen wollen. 5 Themen in 2-3 Stunden an einem Samstag- oder Sonntagnachmittag, da kommt die kreative Seite hoffentlich auf ihre Kosten.

Der Fotoclub “Blende 78″ hat eine durch und durch gelungene Veranstaltung hingelegt. Die Organisation war bis hierhin klasse. Die Veranstaltung hätte aus meiner Sicht etwas mehr Promotion auf der Seite der Paderborner Fototage verdient gehabt.

Übrigens: Auf Flickr gibt es die “gepimpten” Fotos zu sehen, die ich aus den RAW-Dateien erstellt habe.

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