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Leica Summilux M 35 oder Summicron M 35 ASPH?

Seit einigen Monaten bin ich Besitzer eines Summicron 35 ASPH. Leica-Kenner wissen: das Objektiv bietet zum relativ günstigen Preis eine super Bildqualität, die auch bei Offenblende 2.0 schon sehr gut ist.

Als Lichtstärke-Fan hörte ich aber in letzter Zeit immer öfter eine kleine Stimme im Kopf, die sich lautstark darüber ausließ, dass ich mich doch mal nach einem 35er mit Blende 1,4 umschauen könnte.

Meine Kriterien bei der Objektivwahl

Bei der Wahl meiner Objektive setze ich normalerweise folgende Kriterien an:

  1. Bildqualität
  2. Handlichkeit (Größe, Gewicht)
  3. Preis

Die beiden ersten Punkte liegen dabei fast gleichauf. Ein Objektiv mit guter Bildqualität aber hohem Gewicht wird ggf. ebenso gut verworfen wie ein superleichtes Objektiv mit mäßiger Qualität. Erst wenn diese beiden Qualitäten geklärt sind, gucke ich auf den Preis.

Alternative Hersteller (Zeiss, Cosina Voigtländer) zog ich in diesem Fall nicht in Betracht: Zeiss hat kein lichtstarkes 35er (bei Blende 2 ist Schluss), von den Voigtländer Noktons 35/1,4 (und 35/1,2) hatte ich recht gruselige Bilder bei ReidReviews gesehen.

Blieben also “nur” die Leica-Objektive. Diese Objektive kaufe ich derzeit prinzipiell gebraucht, da

  • sie entweder nicht mehr neu zu kaufen sind (z.B. Elmarit 90/2,8 11807) und/oder
  • der Wertverlust beim Wiederverkauf niedriger ist, was in meiner aktuellen “Findungsphase” den Geldbeutel nicht unnötig belastet.

Die Summilux Objektive

Bei Leica heißen die Objektive mit maximaler Blendenöffnung 1:1,4 “Summilux” und sind mit Brennweite 35mm in 4 unterschiedlichen Ausprägungen zu haben:

Der Klassiker (1960 – 1993)

Von 1960 bis 1993 baute Leica dieses Objektiv mit dem klassischen Doppel-Gauss-Linsenaufbau.

(Bild Summilux an M9). Das Objektiv wird als “Summilux 35″, “Summilux 35 pre-asph”, “Summilux 35 non-asph” oder “classical Summilux” bezeichnet. Was das “asph” soll, sehen wir gleich.

Die Vorteile liegen auf der Hand (hehe, Wortspiel): es ist klein und leicht. Bis 1995 galt es als das Flaggschiff der Leica 35er-Objektive und war an den analogen Leica M-Kameras DAS Objektiv für alle Fälle. Der klassische Look dieses Objektivs wird durch den sogenannten “Leica Glow” erzeugt. Technisch steckt dahinter der “Coma” Effekt. Viele Fotografen mögen diesen Glow sehr, andere finden es für die heutige Zeit zu kitschig und nicht steril genug.

Aufgrund der Linsenanordnung und -form kann das Objektiv mit seinen Nachfolgern nicht ganz mithalten. Aber warum auch. ;-)

Summilux Aspherical (1990 – 1994)

Um der Welt mal zu zeigen, was ne Harke ist, baute Leica 1000 bis 2000 Summilux-Objektive mit 2 asphärischen Elementen. Das Objektiv hat damit eine irrwitzig gute Abbildungsleistung und wird als bestes jemals gebautes 35mm Objektiv bezeichnet. Kleiner Nachteil: Das Objektiv kostet auf dem Gebrauchtmarkt zwischen 10.000,- und 14.000,- EUR. Es ist auch deutlich größer als das klassische Summilux.
Die asphärischen Linsen sorgen dafür, dass der Effekt der “sphärischen Abberation” nicht mehr bzw. nicht mehr so stark auftritt. Der Effekt führt zu kontrastärmeren Bildern bei größeren Blendenöffnungen.

Summilux ASPH (1994 – 2009)

Als Nachfolger zum Klassiker baute Leica das Objektiv mit einem asphärischen Linsenelement. Das Objektiv ist bei größeren Blenden auch deutlich schärfer als die klassische Konstruktion, hat jedoch einen kleinen Schönheitsfehler: den sogenannten Focus Shift. Beim Focus Shift kommt es zu einer Verschiebung der Schärfeebene, wenn die Blende weiter geöffnet bzw. geschlossen wird. Als Messsucher-Benutzer hat man dabei schlechte Karten, weil die Verschiebung durch den Sucher nicht sichtbar ist. Es führt aber ohne Nachjustierung unweigerlich zu leicht unscharfen Bildern bei Offenblende. Wird die Blende etwas geschlossen, so kompensiert die größere Schärfentiefe das Phänomen.
Das Summilux ASPH ist auch deutlich größer als der Klassiker. Klar, die bessere Abbildungsleistung wird durch einen komplexeren Linsenaufbau erreicht. Der macht sich eben auch im Gewicht bemerkbar.

Summilux ASPH FLE (2010 – heute)

Dies ist die aktuelle Ausgabe des Summilux. Es besitzt ein “floating Element”, das den Focus Shift seines Vorgängers eliminiert. Klappt super, es macht knackig scharfe Bilder. Allerdings ist es fast doppelt so groß wie der Klassiker.

Preis: Neu 4.000,- EUR, auf dem Markt zu kaufen für 4.500,- EUR. Nicht wundern, aber Leica baut Objektive nach höchsten qualitativen Maßstäben und daher nicht so schnell wie der Markt sie gerne hätte. Da sind die Marktpreis halt schon mal höher als die unverbindliche Preisempfehlung.

Machen wir’s kurz: Version 2-4 kamen für mich nicht in Frage, weil ich in puncto Handlichkeit meiner Leica-Kombination keine Abstriche machen wollte.

Also blieben folgende Wettstreiter übrig:

links: Summicron 35 ASPH, rechts: Summilux 35

Technische Details

Details und Einzel-Reviews zu den Objektiven kann man ganz gut bei Ken Rockwell nachlesen:

Summilux 35

Summicron 35 ASPH

Die Objektivauswahl

Da Summicron 35 ASPH und Summilux 35 etwa denselben Preis auf dem Gebrauchtmarkt haben, war die Auswahl vom Preis unabhängig zu treffen. Es gab für mich neben der Offenblende also nur die Kriterien “Qualität” und “Handlichkeit” zu berücksichtigen.

Klar, bevor man sich die Objektive ins Haus holt, schaut man doch mal im Internet nach Erfahrungsberichten oder Tests. Die Recherche im Internet gestaltete sich dabei aber ausgesprochen kompliziert. Wie sucht man nach “Summilux” und eliminiert dabei alle aktuellen Berichte über das “ASPH” oder “ASPH FLE”? Hmm, mal sehen: “Summilux M 35 -ASPH” brachte genauso wenige informative Treffer wie “Summilux 35 non-asph” oder “Summilux 35 pre-asph”. Ich traf zwar auf einige Posts in den einschlägigen Foren, die Meinung pendelte sich aber etwa bei 50:50 (“pro Summilux” zu “pro Summicron”) ein. Vergleichstests oder Testbilder? Nada.

Es half also alles nix, ich musste also mal wieder auf meine eigenen Erfahrungen machen. Aber am Ende ist das eh das Beste.

Bei meinem Ebay-Kauf des Summilux hatte ich zwar nicht wirklich das glücklichste Händchen, aber nach einem Besuch beim Leica Service stand das Summilux nun ein paar Wochen später komplett gereinigt und gewartet vor mir.

Da ich kein Testlabor für Foto-Equipment habe, musste nun ein altes Bauernhaus in der Nähe für einen Test herhalten. Also schraubte ich die beiden Objektive nacheinander vor die M9 und machte Blendenreihen von 2, 2.8, 4, 5.6, 8

Die Ergebnisse sind hier. Links jeweils ein Crop vom linken Bildrand, rechts jeweils ein Crop aus der Bildmitte:

 

 

Hier die Bilder in voller Größe als ZIP: LuxCronComparison.zip

Analyse

Ich finde, das Summilux hält in der Bildmitte auch bei Blende 2.0 schon ganz gut mit. Der Bildrand fällt beim Kontrast mächtig ab. Ab 2.8 sieht es aber auch dort nicht mehr so schlecht aus.
Insgesamt sehe ich das Summicron bei der Auflösung leicht vorn, aber der Unterschied zum Summilux ist nicht so groß wie ich befürchtet habe.

Fazit

Für mich ist die Odyssee der 35er damit erstmal beendet: das Summilux bleibt, das Summicron geht. Das Summilux 35 kann dem Summicron ASPH zwar bei größeren Blendenöffnungen nicht zu 100% das Wasser reichen, der Unterschied ist jedoch sehr marginal.

Das Summilux ist klein und leicht und bietet mir eine weitere Blende Reserve für Gestaltung und Belichtung.

5 Antworten
  1. georg
    georg says:

    Schöner Vergleich. Ich habe mich für das Summicron entschieden. Brauche die offene Blende nicht bei einem Weitwinkel, mir ist das die Tiefenschärfe wichtiger. Da ist das Cron im Preis/Leistungsverhältnis definitiv die bessere Wahl.

    • admin
      admin says:

      Hallo Georg,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich habe mit dem Erstellen von Vergleichstests noch keine große Erfahrung und musste mir an anderer Stelle schon einige (wenn auch sehr konstruktive) Kritik anhören. ;-)
      Du hast Recht, dass das Summicron ein besseres Preis/Leistungsverhältnis hat, wenn man als “Leistung” die Auflösung bei Offenblende und die Fertigungsqualität sieht. Das Summicron ist einfach knackscharf und bedient sich auch angenehmer. Wie ich schon in meinem anderen Kommentar geschrieben habe, stehe ich auf lichtstarke Objektive. Da kommt mir zukünftig – hoffentlich – die Blende 1.4 mal gut gelegen. Die Schärfentiefe bei Weitwinkel ist ein guter Punkt. Für Landschaftsaufnahmen habe ich ein Voigtländer 21/4, da reicht mir die Blende 4 auch vollkommen aus.
      Gruß,
      Wolfgang

  2. David
    David says:

    Danke für die nützliche Gegenüberstellung. Befinde mich gerade auch noch in der Findungsphase, welches Objektiv es denn werden soll. Tendiere aber auch inzwischen mehr zum Cron.

    • admin
      admin says:

      Hallo David,
      danke für deine Einschätzung, ich halte das Summicron auch für eine sehr gute Wahl!
      Ich bin damit eigentlich auch sehr zufrieden, liebe aber auch den Charakter des Summilux. Es ist sicher nicht perfekt, aber die Blende 1,4 “in Reserve” zu haben wiegt für mich die Nachteile auf, die ich in der Detailabbildung bei Blende 2 sehe.
      Gruß,
      Wolfgang

  3. Elderin
    Elderin says:

    Tatsächlich finde ich das 35er Summarit rein optisch besser als das Cron. Es ist auch ordentlich verarbeitet.
    Ich schwanke beim Kauf eines 35er zwischen Lux FLE und Summarit. Das neue Lux ist super. Nochmal sichtbar verbessert zum
    älteren Lux und für mich das Non-Plus Ultra. Der Preis ist allerdings happig.
    Das Summarit ist kaum schlechter, muss aber mit Blende 2.5 auskommen. Gegenüber dem Cron nur ein kleiner Nachteil, dass es locker mit seinen optischen Qualitäten wieder gut macht. Mit gefallen sowohl Farben als auch Mikrokontrast beim Summarit besser als beim Cron. Und man bekommt es für 1500 Euro neu.

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